Kabinettstück im Dezember

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 (Foto: Anita Karl-Holeczek) 

Der Pfeil für`s Haar

Bis weit ins 20. Jahrhundert trugen Frauen ihr langes Haar gerne in hochgesteckten und geflochtenen Frisuren. Den Haarschmuck dazu gab es in Form von Bändern, Haarspangen, Ziernadeln, Kämmen oder Haarpfeilen. Die Haarpfeile konnten horizontal, vertikal oder schräg in den Haarknoten gesteckt werden. Sie dienten auch zur Befestigung von Kronen (Kranl) und Häubchen (Böndl).

 

Abbildung:
Haarpfeil, vermutlich Oberbayern, zweites Drittel 19. Jahrhundert, vor 1866
Silberlegierung, Feuervergoldung, roter Glasstein
Sammlung Trachten-Informationszentrum Bezirk Oberbayern

 

 

Kabinettstück im November

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(Sammlung TIZ)

Folierte Werbetafel; Versandhaus Höck KG.; München 8, Trogerstraße 32;

um 1955

 

„Modell Oberstdorf"

100% Wolle, Spencer mit Glockenrock, handbestickt,

lieferbar in den Stoffen 16 bis 20

Preis DM 105.-

Ab Größe 48 Aufschlag von 10 %“

So wird das zweiteilige Gewand von der Firma Höck beschrieben. Die Unterscheidung zwischen Dirndl und Spencer ist klar: Das Dirndl ist ein einteiliges Kleid mit Schürze, der Spencer besteht aus einem Oberteil mit Schoß und dem Rock. Die Schürze ist kein Muss. Typisch für die Mode der 50er Jahre sind die Frisur, der Glockenrock mit bauschig weit schwingendem Unterrock - vielleicht ein Petticoat - und natürlich der VW Käfer Cabrio im Hintergrund. Das Bild zeigt einmal mehr: Tracht ist Mode!

Kabinettstück im Oktober

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(Sammlung TIZ)

Folierte Werbetafel; Versandhaus Höck KG.;
München 8, Trogerstraße 32; um 1955

 

Auf dem Oktoberfest in München sind derzeit Dirndlgewänder ein absolutes Muss. Dort waren sie in den 1950er Jahren allerdings so gut wie nicht zu finden. Getragen und beworben wurden sie sehr wohl. Im Begleittext zu den Werbetafeln des Versandhauses Höck aus den 50er Jahren steht:

„Das gute Dirndl ist ein Kleid von verblüffender Paßform. Das Dirndl sitzt immer. Sein raffinierter Schnitt, ein Aufwand von bis zu 7 m erstklassigen Stoffes und die solide Handarbeit sorgen dafür, daß es seine gute und besonders jugendlich wirkende Figur sozusagen gleich mitbringt.“

„Ein Dirndl können Sie darum in zehn Jahren genau so gut tragen wie heute … zur Arbeit, zum Tee, im Urlaub, beim Sommerfest, kurzum zu allen Gelegenheiten, die nicht gerade, wie etwa ein Opernbesuch, ein besonderes Kleid vorschreiben.“

Vom Oktoberfest ist in dieser historischen Aufzählung, zu welchen Anlässen das Dirndl passt, bezeichnenderweise gar nichts zu lesen. Dafür sind auf der Theresienwiese in München heuer Dirndlgewänder im Kommen, die in Farbe und Form den Vorbildern der 1950er Jahre auffällig gleichen.

 

Kabinettstück im August

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(Sammlung TIZ)

Stoffkissen, Bayern (?), um 1900 (?)

In unserer Sammlung gibt es einige Objekte, die wir nicht zuordnen können. Deshalb bitten wir Sie - die Besucher unserer Website - um Hilfe. Vielleicht kennen Sie die Funktion, den Namen und die Herkunft dieses Kissens. Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie etwas wissen. Für Hinweise sind wir sehr dankbar.

Der Gegenstand hat eine verzierte Seite mit Stickereien und facettierten Glasperlen und eine schmucklose Seite mit dicht aneinander gelegten Bändern aus Tuch in der Form einer Acht. Rundum ist ein in Rüschen gelegtes Wollband angenäht. Das Kissen ist rund 15 cm lang, 8 cm breit und 4 cm hoch.

 

Kabinettstück im Juli

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(Sammlung TIZ)

Postkarte, um 1910

Auf vielen Postkarten, die um 1900 verschickt wurden, sind attraktive Frauen im Badekostüm, antik anmutenden Gewändern und auch in Trachtenmode abgebildet. Eine mehr oder minder versteckte erotische Attitüde ist fast allen Bildern gemeinsam.

In einem Fotoalbum aus Mühldorf am Inn steckt inmitten der Familienportraits diese Postkarte. Die Zusammenstellung des Gewands der jungen Frau ist gewagt: Mieder, Geschnür, Halskette und Halstuch stammen noch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Strohhut mit besticktem Samtband und Federschmuck ist um 1910 gerade topmodisch und vor allem zum Dirndlgewand angesagt. Wichtig war für den Photographen der Gesamteindruck und nicht die korrekte Kombination einer Tracht.

Kabinettstück im Juni

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(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Osmanisches Reich, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, Tuch, Posamenten

Im Juni kommt die tomatenrote Männerjacke vom  April zurück - diesmal von vorne sichtbar.

Der Ursprung vieler unserer Zierelemente liegt im Orient. Wir haben im Abendland enorm von der Phantasie des Morgenlands profitiert. Der osmanische Kulturkreis stand auch mit dem nordindischen Raum über lange Zeit in fruchtbarem Austausch. Aus dieser multikulturellen Verbindung entstanden zahlreiche stilistische Vorbilder für die europäische Mode. Bemerkenswerterweise finden sich diese Ornamente in der bayerischen Mode und Tracht wieder.

Eine Besonderheit der islamischen Kunst ist, daß vor allem ornamentale und kalligraphische Dekors entwickelt wurden. Die bildliche Darstellung ist im Unterschied zu christlichen geprägten Gesellschaften weit weniger ausgebildet.

Einander fremde Kulturen treffen aufeinander und inspirieren sich.  Eine tief empfundene religiös-ideologische Konfrontation steht über Jahrhunderte gleichzeitig einem lebendigen Zusammenleben gegenüber. Das gilt bis heute - die Mode zeigt uns das sehr eindrücklich.

Kabinettstück im Mai

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(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Oberbayern, um 1830, Tuch, Posamenten

Im März war schon die Rückansicht dieser taubenblauen Husarenjacke aus dem Rupertiwinkel zu sehen.  Da sie vorne ebenso prächtig ausgeziert ist, nun also ein „Da capo!“, denn dieses Stück will von allen Seiten betrachtet sein. Die Posamenten mit Knebelverschlüssen erinnern ebenso wie die Verzierungen auf dem Rücken an osteuropäische Uniformen. Der elegant geschwungene Schalkragen war um 1830 hochmodern und blieb bis etwa 1870/80 in Mode. Ganz besonders ist auch das Innenfutter: Ein Wollstoff, der mit Modeln in Wellenmustern und Blumen bedruckt ist.

Kabinettstück im April

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(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Osmanisches Reich, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, Tuch, Posamenten

Das Kabinettstück im März war eine taubenblaue Jacke aus Oberbayern um 1830.

Dieses tomatenrote Objekt stammt aus dem Osmanischen Reich. Beide Rückansichten ziert im Nacken und Taillenbereich eine fast identische Verzierung mit wunderbaren Posamenten. Dahinter steht ein kultureller Brückenschlag der Mode aus Orient und Okzident: Die kunstvoll ausgeschmückten Gewänder der osmanisch geprägten Moden in Osteuropa, die sich unter anderem in der Uniformmode niederschlugen, faszinierten seit Jahrhunderten auch die Menschen im deutschsprachigen Kulturkreis. So nimmt es kein Wunder, dass Anfang des 19. Jahrhunderts die exotisch anmutenden Dolmane von Adel, Militär und  Bürgertum in Deutschlands kopiert wurden.

Dass türkische Gewänder über den Balkan, Ungarn und den slawischen Raum schlussendlich bayerische Trachten inspirieren, ist eine bemerkenswerte Tatsache. Vielleicht ist ja die unschuldige Freude an zunächst fremden Farben und Formen ein Wesensmerkmal der Tracht …

Kabinettstück im März

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(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Oberbayern, um 1830, Tuch, Posamenten

Männerjacken, die vorne und hinten  mit verschlungenen Posamenten verziert sind, finden sich im ländlichen Oberbayern relativ häufig. Sie wurden „Schaike“ oder „Husarenjacke“ genannt und waren zwischen 1830 und 1890 sehr beliebt. Diese taubenblaue Joppe stammt aus dem Rupertiwinkel und wurde einst von einem Müller getragen. Typisch für die biedermeierliche Mode sind der hohe Kragen, die geschwungenen Nahtlinien und die leicht gereihten Ärmel.

Die Auflösung, wie bayerische Bauern und Handwerker zu den phantasievollen Mustern auf ihren Jacken kamen, zeigt sich am ersten April, wenn das nächste Kabinettstück erscheint.

Kabinettstück im Februar

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(Foto: A. Karl-Holeczek)
Ein Paar Strumpfbänder, datiert 1828, Seidenband, eingewebte Gummischnüre, Spitze, goldene Schließen, Türkise (Sammlung TIZ)

Gravur auf den Schließen:

Mon esperance est áu delá - Joindre ou mourir 1828
(Mein Hoffen ist jenseitig - Verbunden sein oder sterben 1828)

Die beiden Strumpfbänder aus dem Jahr 1828 gehören sicher zu den intimsten und feinsten Kabinettstücken unserer Sammlung im Trachten-Informationszentrum. Sie sind ein kostbares Liebespräsent mit Worten so voller Poesie, daß unsere Phantasie noch 191 Jahre später beim Sinnen über diese Zeilen blühen kann…
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