Öffnungszeiten Jahreswechsel

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Das Trachten-Informationszentrum hat

vom 22. Dezember 2018 bis einschl. 6. Januar 2019 geschlossen.

Öffnungszeiten : Donnerstag von 9 - 16 h 

Am Donnerstag, 10. Januar 2018 sind wir wieder für Sie da

Kabinettstück im Dezember

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

Fatschenkind, Weihegabe als Opfer oder Dank für einen (un)erfüllten Kinderwunsch, 18. Jahrhundert, Wachs (Sammlung TIZ)

 

„…und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe…“ (Lukas 2,7)

Im Lukasevangelium wird die erste textile Bekleidung eines Neugeborenen vor über 2000 Jahren beschrieben. Sie besteht aus Tüchern und einem Band, der sogenannten Fatsche. Die vielen Jesukindlein, die in der Weihnachtszeit und speziell am Heiligen Abend ausgestellt werden, tragen so gesehen eine traditionelle Babytracht. Der Brauch, neugeborene Kinder ein halbes bis ganzes Jahr mit angelegten Ärmchen fest einzubinden, ist seit der Antike belegt und allen semitischen Kulturen zu eigen. Jean-Jaques Rosseau betont bereits 1762 in seinem Emile, wie wichtig es für die Kinder sei, daß sie ihre Glieder frei bewegen könnten. Doch bis Anfang des 20. Jahrhunderts beharren auch in Oberbayern viele Mütter auf dem tradierten Einfatschen. Als Grund für diese Sitte wird oft angegeben, daß die Glieder und Knochen durch den stützenden Halt gerade wachsen würden. Wir wissen heute darum, wie wenig plausibel diese Erklärung ist.  Vielmehr können psychologische Deutungen einen Hinweis liefern: Kleinstkinder werden bis weit in das 19. Jahrhundert nicht als gänzlich menschliche Wesen betrachtet. Bandagiert wie eine Mumie verbleiben die Neuankömmlinge gleichsam noch in einem vorgeburtlichen Zustand und durchlaufen ein Übergangsritual. Was uns heute so fremd erscheint, findet sich anschaulich noch zur Weihnachtszeit als gewickeltes Jesuskind in der Krippe oder eben als Fatschenkindl.

 

Kabinettstück im November

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

„Einwohnerwehr-Lied“, Liedblatt im Verlag der Einwohnerwehr Chiemgau, 1920 (Sammlung TIZ)

Eine wirklich handfeste Verbindung von Gebirgstracht und Deutschtümelei manifestiert sich vor der Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten: Im Mai 1919 beschloss die Regierung des Freistaates Bayern die landesweite Organisation von Einwohnerwehren, die sich unter anderem aus den ehemaligen paramilitärischen Freicorps rekrutierten. Sie präsentieren sich auf allen historischen Fotografien mehrheitlich in Gebirgstracht. Die Einwohnerwehr Chiemgau verlegte 1920 ein Einwohnerwehr-Lied, dessen Text revanchistischer nicht sein könnte. Den Umschlag des Liedblattes mit Klavier und Singstimme ziert ein stämmiger Bursche in Gebirgstracht, den Hintergrund geben Bauersleute auf ihrer frisch umgebrochenen Ackerscholle. Gestützt auf das Mauser-Gewehr Modell 98 trotzt er kühnen Blicks den Gefahren undeutscher Machenschaften.

Hinter der Maske von Patriotismus und Traditionsliebe ist die ideologische oder politische Vereinnahmung von Tracht oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So zeigt auch der Text im Liedblatt unmißverständlich, daß die Tracht auf dem Deckblatt manches Mal nur den schönen Schein wahrt:

„Warum heiß ich deutsch, ist so kriegerisch mein Sinn, … weil treu ich vollführt, was Notwehr gegen Feindeslist hat diktiert …“ „er betet zu Gott … und wirket und werkt sich sein neues Kleid …“

Der Existenz der Einwohnerwehren war im Übrigen nur eine kurze Dauer beschert, denn schon im Juni 1921 wurden sie wieder aufgelöst.

 

Kabinettstück im Oktober

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

Lithographie, um 1825, altkoloriert

„Kirchweih-Tanz in der Umgegend von Tegernsee“

Aus der Sammlung Bayerischer National-Costüme von Felix Joseph von Lipowsky

erschienen „Bey I.M. Hermann in München“

(Sammlung TIZ)

Die drei Musikanten spielen in einer Besetzung mit zwei Clarinetten aus Bux- oder Birnbaumholz und einer Geige. Die Figuren deuten auf einen Landlertanz mit typischen Elementen des Schuhplattlers hin. Dazu gehören das Schlagen auf die Oberschenkel, das Fingerschnalzen, das Wegdrehen von der Tänzerin und das Drehen des Dirndls um die eigene Achse.

Die Musikanten tragen bürgerliche Kleidung. Während der Geiger noch die einreihige, lang geschnittene Weste des ausgehenden 18. Jahrhunderts trägt, zeigt sich einer der Bläser mit einer modischen Neuheit des Biedermeier – der Schirmmütze.

Die Mieder der Tänzerinnen sind hoch tailliert, ihre Kleidung besteht aus: Hemd, Mieder, Miederärmel, Rock, Schürze (Fürtuch), Halstuch und dem Hut. Der Hutschmuck besteht aus Seidenbändern mit Schnallen, Goldschnüren mit Quasten und Blumen.

Die Kellnerin trägt dagegen die sogenannte Pech- oder Schwazerhaube, eine typische Kopfbedeckung in der Gegend von Tölz und Miesbach. Am Gürtel die Kellnerinnentasche serviert Sie das dunkle Bier in irdenen Krügen mit Zinndeckeln. Gegessen wird – wie neben dem sitzenden Pärchen zu erkennen - Brot, bzw. Semmeln.

Die Tänzer haben ein gemeinsames Accessoire: Breite Ledergürtel mit Schnalle, die mit gespaltenen Pfauenfederkielen ausgestickt sind. Neben den Männern in kurzen Lederhosen ist ein Tänzer in langen Lederhosen mit Stiefeln abgebildet. Westen und Halsflor tragen alle, die Stopselhüte sind mit Blumen und Birkhahnfedern geschmückt.

Ein Zuschauer, der am Rand des Tanzbodens steht, ist in seiner roten Weste mit bortenbesetztem Halsauschnitt, der einfachen Joppe und dem flachen Hut auffällig anders gekleidet. Er stammt aus Tirol und gehört wohl zu den vielen Holzknechten, die in Bayern um 1830 gearbeitet haben.

Textilmarkt in Benediktbeuern, 22. und 23. September 2018

Veröffentlicht: | Stichworte: Veranstaltungen


Hereinspaziert...

Tracht ist Mode - Tracht ist leben - Tracht hat Zukunft

"Federkielsticken erfordert viel Kreativität, Liebe zur Perfektion von kleinen Dingen und eine große Portion Geduld. Obwohl traditionelle Motive und Gegenstände die Grundlage meiner Arbeit bilden, versuche ich die Federkielstickerei auf persönliche Art weiter zu entwickeln mit neuen Inhalten und zeitgerechten Ausdrucksformen zu versehen."

Katharina Stuefer

 

Foto: Freilicht

Foto Cornelia Schmid

Foto: Cornelia Schmid

 

 

Foto: Cornelia Schmid

 

 

 

 

Kampagne Inklusion

Veröffentlicht: | Stichworte: Sonstiges

KAMPAGNE INKLUSION IN DER NOVUM 09-18

Inklusion ist tragbar

Das Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern sieht seine zentrale Aufgabe darin, bayerische Kleidungskultur zu erforschen und zu pflegen. Sich seine folkloristischen und ideologischen Vereinnahmung entgegenzusetzen und sich darüber hinaus zur Inklusion zu bekennen, ist dabei Teil des Selbstverständnisses und zugleich Ausgangspunkt für eine präzise und äußerst ästhetisch lancierte Kampagne, konzipiert und gestaltet von Jana Cerno und Nan Mellinger: Als Basis für die Entwicklung eines Kampagnenlogos griffen die Kreativen auf die Brezn – einst Devotionsgebäck und Bäckerzunftszeichen, heute freilich Inbegriff bayrischer Esskultur – sowie den Seemannsknoten zurück. Zwei Stränge finden sich hier in einer Windung zusammen und geben den eingearbeiteten TIZ-Initialen Halt. »Eine Betonung von Zusammenhängen, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind, kennzeichnet schließlich auch den Begriff der Inklusion im Sinne der Einbeziehung und Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben«, so Nan Mellinger. »Man darf es aber auch als Anspielung auf jene Knoten in unserem Denken verstehen, die es für einen achtsamen Umgang miteinander aufzulösen gilt.«
Als Trägermedium der Kampagne dient eine limitierte Edition quadratischer Tücher, die als Krawatte, Einstecktuch, Armband oder aber als schmückendes Accessoire für die Handtasche oder den Fahrradlenker eingesetzt werden können. Auf ihnen ergibt das Inklusions-Motiv ein feines, dezentes Ton-in-Ton-Muster, dass in Verbindung mit dem kontrastreich gestickten Logo ein klares Statement setzt. Inklusion ist also durchaus tragbar – diese Idee wurde jüngst zurecht mit dem German Design Award für herausragende Qualität ausgezeichnet. Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein…

Novum 09-18

 

 

Kabinettstück im September

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

Joseph Futterer, 1871-1930, Postkarte (Sammlung TIZ)

„A Lederhos´n, a rots Schilä, de Zwanzgal in da Reih, an Hiatling in da Seitntaschn, an Haslstock dabei …“ (Eine Lederhose, eine rote Weste, die Talerknöpfe in einer Reihe, das Messer in der Seitentasche, einen Haselnußstock dabei …)

Schon in den ersten Zeilen dieses alten Couplets, das der Autor dieser Zeilen von Kindesbeinen an kennt, wird das Klischee des groben, protzigen und in Tracht gekleideten Bauern besungen. Dem Stereotyp des alpinen Helden in der kurzen Lederhose steht hier ein nicht minder zementiertes Bild gegenüber: Es ist das Zerrbild des so bauernschlauen wie saugroben Unterlandlers  in Stiefeln und langer Lederhose. Die Fliegenden Blätter, die Bilder und Texte des bitterbösen Simplizissimus und nicht zuletzt die Geschichten eines gewissen Ludwig Thoma festigten und ruinierten das Bild des Landbewohners in Tracht nachhaltig. Der beißende Spott um und nach 1900 sorgte im Nachhinein nolens volens dafür, dass wir uns heute mit einem Bayernbild herumschlagen dürfen, das zwar fleißig bedient wird, aber nie allgemein war. Diese Karikatur wurde von Joseph Futterer, der unter anderem für den Simplicissimus arbeitete, zeichnerisch auf die Spitze getrieben; zu den Lederhosen, der roten Weste und dem Stock gesellen sich eine überdimensionale Uhrkette und ein kleiner Hut mit Pfauenfeder auf der Zipfelmütze. Die qualmende Virginia, die der „rotbackade Bauernbua“ (rotbackiger Bauernbub) raucht, gibt der Illustration noch den nötigen Biss.

Sollten derzeit auf dem Münchner Oktoberfest in so manchen Bierhallen ähnliche Typen zu entdecken sein, dann wundern Sie sich nicht – Klischees möchten halt gepflegt werden …

 

Kabinettstück im August

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

Gärtnerei, wohl Tölz, um 1910

Die Belegschaft einer Gärtnerei ließ sich im Hochsommer um 1910 stolz vor Hortensien und Spalierbäumen fotografieren. Ob es sich dabei um einen festlichen Anlass handelte oder der geschulterte Spaten nur für das Foto mit Buchsbaumzweigen dekoriert wurde, ist nicht bekannt. Westen, Arbeitsschürzen (Schaber) und Kopfbedeckungen sind der Gruppe gemeinsam. Nur die Mädchen in Kleidern und der Bub im Kittel machen eine Ausnahme von dem gärtnerischen Dresscode.

Die Arbeit als Gärtner war hart und forderte viel Ausdauer. Das gesamte Gießwasser musste jeden Tag mit Gießkannen verteilt werden und die Arbeitsgänge wurden überwiegend in gebückter Haltung ausgeführt. Statt Maschinenhilfe war reine Handarbeit gefordert. Wer schon einmal einen ganzen Tag unter der heißen Sonne im Blumen- oder Gemüsegarten gewerkelt hat, weiß das. Was uns heute als liebenswertes Hobby gilt, ist um 1910 Broterwerb und reine Notwendigkeit.

Neue Publikation in unserem Kontor

Veröffentlicht: | Stichworte: Publikationen

Tracht in Miesbach
Verena Zemme, Mathias Leidgschwendner, Stadt Miesbach

Tracht in allen Facetten.
In der kleinen Kreisstadt Miesbach, 50 km südlich von München, ist man stolz auf ein einzigartiges Kulturgut - die Original Miesbacher Tracht. Spannende Reportagen, authentische Interviews und sorgsam recherchierte Hintergrundartikel lassen in dieser Sonderedition der Stadt Miesbach die Tracht lebendig werden.
Moderne Fotostrecken fangen die ganze Lebensfreude ein, mit der die Tracht heute im Oberland getragen wird.

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Neues Produkt in unserem Kontor

Veröffentlicht: | Stichworte: Produkte

Hoseträger Y-Form

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