Kabinettstück im Juni

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Kasettl,  Schlehdorf, um 1860, Seide

Das Kasettl zählt zu den Schoßjacken und hat sein Vorbild in der Empiremode der Zeit um 1810. Je nach Region wird das Kasettl auch Schalk, Garnierspenzer, Röcke oder Spenzer genannt.  Die vielen Begriffe verwirren zunächst, aber charakteristisch für alle Schoßjacken in ihren vielen Varianten sind folgende Merkmale: die hohe Taille, die rund um den Halsausschnitt laufende Garnier und das angesetzte Schößchen, das sich im Rücken mittig zu einer Rüsche erweitert. Je nach Zeit und Ort sind die Stoffe, die Rüschentechnik oder die Ärmelformen über 200 Jahre dem Zeitgeschmack angepasst worden.

 

Unser Kabinettstück zeichnet sich durch einen gestreiften Seidendamast aus, dessen weiße Webkante geschickt in der Rüschentechnik Garnier mit der schwarzen Seide kontrastiert. Um 1860 ist die überwiegende Zahl der Schoßjacken noch aus farbigen Stoffen genäht und schwarze Seiden überwiegen erst ab etwa 1900. Ob es sich hier um einen mutigen modischen Vorgriff oder eine extra angefertigte Trauerkleidung handelt, wissen wir nicht.

Modenschau Bichl am 4. Mai 2018

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Eine wunderbare, bilderreiche Modenschau wurde am Freitag, 4. Mai 2018 im zahlreich gefüllten Festzelt in Bichl präsentiert.

Vor 1200 Besuchern gingen Maria und Michaela, zwei fabelhafte Models, für das Trachten-Informationszentrum auf den Laufsteg. Sie zeigten zwei Modellkleider, welche exclusiv für die Modenschau angefertigt wurden. Feenhaft und graziös haben sich die Models mit ihrem blumigen Kopfschmuck im Mieder und Kasettl den Besuchern gezeigt.

Das Kompliment der Moderatorin Susanne Wiesner "Das TIZ hat ein bisschen Karl Lagerfeld nach Bichl gebracht" hat uns außerordentlich gefreut.

Aus alten Bildern zu lesen, sie verstehen und in die heutige Zeit umzusetzen, ist eine der Aufgaben, denen wir uns widmen.

Mit Traudl Stacheter, Lindach/Baiern konnte das Trachten-Informationszentrum eine versierte und engagierte Schneidermeisterin beauftragen. Sie setzte unsere Ideen in märchenhafter Weise um.

 

Kooperationspartner der Modenschau:

Atelier Poschenrieder Elisabeth, Bichl

Atelier Poschenrieder Maria, Bichl

Atelier Stacheter, Lindach/Baiern

Blumen Rieger, Benediktbeuern

Fotografie Ivonne Mönch, Schlehdorf

Gebirgsschützenkompanie Bichl & Freiwillige Feuerwehr Bichl e.V.

Goldschmiede Regina Nagel, Bad Heilbrunn

Goldlädli Annelies Dornseifer, Lenggries

Hairgricht, Sziedat Sabine, Benediktbeuern

Hutmacherei Martin Wiesner, Rottach-Egern

Metallkunst Peschl, Bichl

Säcklerei Bammer Susanne, Lenggries

Schuhe Greif, Bad Heilbrunn

 

Kabinettstück im Mai

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Krone, Oberbayern, erste Hälfte 19. Jahrhundert, rot gefütterter Holzreif, Glassteine, Gold- und Silberlahn, Boulliondraht, Pailletten (Sammlung TIZ)

Kronen gehören zu den Accessoires, die einen hohen Symbolgehalt besitzen. Kaiser und Könige tragen sie als goldenen Reif mit Edelsteinen besetzt, Christus wurde mit Dornen gekrönt. Auch die Jungfrau Maria ist als Himmelskönigin in der kirchlichen Ikonographie eine feste Größe. Die Marienkrone ist ein entscheidender Hinweis auf die Bedeutung der Jungfrauen-und Hochzeitskronen, die es bis heute gibt. In der kirchlichen Moralvorstellung galt eine Frau über Jahrhunderte dann als rein und einer Krone wert, wenn sie jungfräulich war oder blieb. Deswegen ist der Hochzeitstag auch der letzte Termin, an dem sie eine Krone tragen durfte. War vorher schon ein Kind geboren, wurde ihr diese Ehre verweigert. So rigide und teils unverständlich uns das heute erscheint, so fest war diese Vorstellung bis ins 20. Jahrhundert hinein zementiert. Überkommen sind die prächtigen Braut- und Jungfrauenkronen, weil sie in den Familien als kostbar angesehen und aufbewahrt wurden. Die Materialien der sogenannten Kranl sind entsprechend wertvoll. Gold- und Silberdrähte, Seide, Glassteine als Edelsteinersatz, echte und künstliche Perlen und kleine Spiegel sollten möglichst prunkvoll und auffällig wirken.

Kabinettstück im April

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Bierfilzl,: „…trinkt kein Wasser!“, 2002

Kurze Lederhosen sind seit über zweihundert Jahren im Alpenraum omnipräsent. Ob als klassisch-klischeehaftes Kleidungsstück der Jäger, Holzknechte und Wilderer, als Merkmal vieler Trachtenvereine oder als weltweit bekanntes Symbol für oberbayerische Männertracht. Wenige Hosen haben es allerdings geschafft auch in der Karikatur anhaltend Beachtung zu finden. Daß der Humor und die Trachtenmode ein gutes Paar abgegeben, zeigt die Werbung einer Brauerei aus dem Chiemgau, die Eingang in unser Archiv gefunden hat. Bierfilzl eignen sich übrigens – wie man sieht – in Zweitverwendung auch als Merkzettel…

Textilmarkt in Benediktbeuern, 22. und 23. September 2018

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Bayerische Landesausstellung 3. Mai - 4. November 2018

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Kabinettstück im März

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Erste hl. Kommunion, Photographie von Franz Sixt, Tölz, um 1900

Ein Geschwisterpaar am Tag der ersten hl. Kommunion - vielleicht sind es Zwillinge, sie wirken jedenfalls wie ein Paar. Die Assoziation zu einem Brautpaar verwundert nicht: das Mädchen trägt ein Brautkleid, der Bub einen Anzug als wäre er ein Hochzeiter. Die Kindergesichter wirken ernst, dem Anlass entsprechend und doch stehen da zwei zarte Kinder, die zwar tapfer ihre Kerzen in der Hand halten, aber irgendwie verloren wirken. Dahinter stehen Befindlichkeiten, die uns heute fremd erscheinen mögen und tatsächlich vor über hundert Jahren selbstverständlich waren: Kinder galten als „kleine Erwachsene“ und wurden auch so gekleidet. Das „Kind sein dürfen“, wie Wir es heute kennen, war weithin unbekannt und in erster Linie standen die Pflichten und nicht die Rechte junger heranwachsender Menschen. Das weiße Kleid und die Krone des Mädchens verweisen im Kontext kirchlicher Normen auf ihre Rolle als reine Braut Christi, die sie bis zu ihrer Hochzeit zu spielen hatte. Der dunkle Anzug samt Uhrkette zeigt ein Kind im Gewand eines erwachsenen Mannes.

Die 40.000 historischen Photographien, die im Trachten-Informationszentrum aufbewahrt sind, bergen einen unendlich großen Schatz an Informationen. Die Bilder zu lesen, zu verstehen und zu vermitteln ist eine der Aufgaben, denen Wir uns widmen. Sollten Sie Bilder besitzen, die Menschen in ihrem Gewand zeigen, kontaktieren Sie uns bitte. Ob Sie noch etwas zu den alten Bildern wissen oder nicht, ist zunächst nicht wichtig.  Lassen Sie uns einfach teilhaben an der abgelichteten Geschichte unserer Vorfahren.

 

Kabinettstück im Februar

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Abbildung aus: München im Jahreslauf, Monatsbilder aus dem Jahre 1816; Süddeutscher Verlag 1972; mit Texten von Paul Ernst Rattelmüller, dem ehemaligen Heimatpfleger des Bezirks Oberbayern

Die Bibliothek des Trachten-Informationszentrums birgt wirkliche Kostbarkeiten. Ein großformatiger Band mit den zwölf Monatsbildern des Jahres 1816 zeigt in Form kleiner Dioramen Alltags- und Festtagszenen aus München. Besonders schön ausgearbeitet ist die Kleidung jeweils der Personen, die im Vordergrund dargestellt sind.
Im Februar fand in München an jedem Faschingsmontag der Metzgersprung am Fischbrunnen des Schrannenplatzes (Marienplatz) statt. An diesem Tag wurden die Metzgerlehrlinge freigesprochen und durften von da an als Gesellen alle gesellschaftlichen Rechte und Pflichten ihrer Zunft wahrnehmen. Dazu gehörte auch die Teilnahme an Trinkfesten oder der Tanz mit ehrbaren Mädchen. Nach der förmlichen Freisprechung sprangen die Freigesagten in den Brunnen, warfen Nüsse in die Menge und bespritzten die Buben, die nach den Nüssen heischten, mit Wasser.

 

Kabinettstück im Januar

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Ranzen, Detail, Bayern, um 1850
Leder, Federkiel, Silberlahn um Seidenseele, Messingschnalle
Müllerranzen mit Mühlrad und Haue (Sammlung TIZ)


Grünes, rotes, braunes und schwarzes Leder, weißer Pfauenfederkiel, glänzendes Silber und gediegenes Messing – daraus besteht dieser herrliche Gürtel aus der Sammlung des Trachten-Informationszentrums. Über 300 kostbare Männer- und Frauengürtel aus Bayern, Österreich und Tirol werden in Benediktbeuern aufbewahrt. Um die faszinierende Geschichte und kulturelle Bedeutung dieser handwerklichen Kunstwerke zu dokumentieren erschien 2008 ein Grundlagenwerk: »Das Buch der Gürtel«.
Bei einem solchen Titel muß man nicht fragen, wovon ein Buch handelt. Berechtigter wäre die Frage, wovon es nicht handelt. Die Geschichte der Gürtel, die dieses Buch erzählt, ist so reich, daß sie eine ganze Welt umfaßt. Oder sogar mehr als eine. Von wegen enger schnallen... 48 x 30 x 4,5 cm die Maße.
336 Seiten Umfang. 5 Kilo Lebendgewicht. Das muß man erst mal auf sich wirken lassen. Wenn man dann zu blättern begonnen hat, kommt man aus dem Staunen ohnehin so schnell nicht mehr heraus. Anschnallen, bitte (jawohl, auch Sicherheitsgurte gibt es im Buch, wenigstens verbal), und dann dem vorgezeichneten, zuweilen auch nur angedeuteten, immer aber überraschenden Flug der Gedanken und Assoziationen zwischen Gott und der Welt, dem Himmel und der Erde, dem Geistigen und dem Fleischlichen folgen. Drei Jahrhunderte umfaßt die Reise – aber von ihren Höhepunkten aus eröffnet sie faszinierende Blicke auf die ganze Kulturgeschichte der Menschheit, und an kleinen, zeitgebundenen und regionalen Details werden Grunderfahrungen der menschlichen Existenz ablesbar. Ein Buch, in dem man besten Gewissens schwelgen kann.

 

Kabinettstück im Dezember

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Lederhose, München, 1810, Hirschleder, Perlmuttknöpfe

Das Meisterstück von Anton Baptist Moser aus dem Jahr 1810 ist eine absolute Rarität. Das exquisite Kleidungsstück wurde in der Säckler-Familie Moser über Generationen tradiert und kam nun nach über 200 Jahren als Leihgabe ins Trachten-Informationszentrum. Die Verarbeitung der Hose und die ursprünglich blaue Steppstickerei sind von höchster Qualität und Opulenz. In der Jagdkleidung des Adels, die im 18. Jahrhundert ebenfalls häufig aus naturfarbenem Rothirschleder besteht, finden sich entsprechende Vorbilder. Die stilistische Nähe zur jagdlichen Kleidung zeigt sich bei dem Meisterstück Mosers in den Motiven der phantasievollen Stickerei. Dort finden sich Hirschen, Gämsen, Hunde, Vögel und auch ein Jäger nebst Fuchs. Das spiralförmige gewundene Rankenwerk wird durch sternförmige Ornamente ergänzt.
Abgebildet ist die Hose bereits 1962 in der Publikation „Die Lederhose in Bayern und Tirol“ von Dr. Karl Schädler, Universitätsverlag Wagner.

 

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